19.11.2019 | erstellt von Mona Marko (e3 Media House)

Sam Tomlin-Kedge – Englands feiner Skilehrer-Export

Fish und Chips haben es nie wirklich auf die Speisekarten österreichischer Restaurants geschafft, Baked Beans sehen für uns Alpenländer aus, als wären sie das Produkt eines Wiederkäuers und den Geschmack von Marmite möchten wir gar nicht weiter kommentieren. Ein britisches Export-Produkt genießt in Tirol jedoch große Beliebtheit: englische Skilehrer. Der nüchterne Humor gepaart mit bemerkenswerten Schwüngen kommt auch in Kitzbühels Bergen an. Einen dieser Exoten möchten wir euch heute vorstellen: Sam Tomlin-Kedge. Wie es der Name erahnen lässt, ist er Vollblut-Brite, Vollzeit-Skilehrer und darüber hinaus Leiter der element3-internen Skilehrer-Ausbildungsstätte e3 Ski Academy. Im Interview erfährt ihr mehr über den sympathischen Engländer.

 

  1. Erzähl uns erst mal ein bisschen von deinem bisherigen “Skilehrer”-Leben

Ich bin in den Cotswolds in Süd-West-England aufgewachsen und war immer schon sportverrückt. Meine erste Wintersport-Erfahrungen habe ich mit einem Snowboard auf einer Trocken-Piste in England gesammelt. Obwohl ich auch heute immer noch gerne snowboarde, dauerte es nicht lange, bis ich aufs Skifahren umgestiegen bin. Meine ersten Skilehrer-Ausbildungen absolvierte ich in Whistler, Kanada. 

Die nächsten acht Jahre habe ich im Winter in Österreich unterrichtet und im Sommer in Australien – bis 2016. Während dieser Zeit habe ich weitere Qualifizierungen im Rahmen anderer Skilehrerverbände gemacht und einen Winter in Japan gearbeitet. Ich durfte außerdem im Bundessportheim am Kitzsteinhorn arbeiten – eine der nationalen Ski Akademien in Österreich. Diese offenbarte mir das nächste Level des Skifahrens – ich durfte mit den besten Skifahrern Österreichs arbeiten!

Heute lebe ich in Kitzbühel, leite die e3 Ski Academy und arbeite für die Skischule element3. Wenn ich nicht auf der Piste bin, dann sportele ich oder gehe meiner anderen Leidenschaft nach: guten Kaffee zu trinken und Kuchen zu essen.

2. Dein erstes (richtiges) Mal auf Skiern?

Das war in Val d’Isere in Frankreich. Ich habe es bis zum Ausstieg des Teller-Lifts geschafft, dann bin ich die Piste runtergeschossen. Vielleicht hätte ich erst fragen sollen, wie man bremst. 

3. Erster Gast, den du als Skilehrer unterrichtet hast?

Das war in Australien. Er hieß Timmy und er war ungefähr fünf oder sechs Jahre alt. Über Nacht bekamen wir 40 cm Neuschnee und der reichte Timmy fast bis zur Hüfte. Er hat es geliebt und ich kann mich nur daran erinnern, dass er mich die ganze Zeit mit Schneebällen beworfen hat. 

4. Welche 3 Tipps würdest du Skifahrern geben?

  • Mach immer eine Aufwärm-Fahrt. Ein paar kleine Hopser und Sprünge sind gut, um die Muskeln zu aktivieren und die Mittellage zu finden.
  • Schau nach der besten Linie! Der beste Schnee ist meistens am Rand der Piste und nicht in der Mitte wo alle anderen fahren. 
  • Baue genügend Pausen ein. Beim Skifahren wird man schnell müde. Also merkt euch diese Worte: “Einen Espresso und einen Apfelstrudel bitte!”. 

5. Kaiserschmarrn oder Schnitzel?

Easy – Kaiserschmarrn! 

6. Aprés Ski oder erste Gondel am Morgen?

Erste Gondel! Ich liebe es früh morgens am Berg zu sein, wenn sonst fast niemand auf den Pisten ist.

7. Deine Lieblingspiste in Kitzbühel? 

Ich kann euch das ja nicht sagen, sonst fährt ihr sie alle. Aber meine zweitliebste ist die Aschau-Talabfahrt. 

8. Powder oder perfekt präparierte Pisten? 

Das ist schwierig. Vor ein paar Jahren hätte ich noch gesagt: perfekte Pisten. Aber dann hat mich die Powder-Begeisterung erfasst. Jetzt bevorzuge ich definitiv frischen Schnee. 

9. Wie würde ein perfekter Skitag in Kitzbühel für dich aussehen? 

Das ist leicht zu beantworten, weil ich den perfekten Skitag in Kitzbühel schon erlebt habe: Letztes Jahr haben eine Kollegin und ich unsere Gäste an einen geheimen Hang mit unberührtem Powder-Schnee geführt. Für unsere jungen Gäste waren es die allerersten richtigen Tiefschnee-Erfahrungen. Sie lachen zu hören und zu sehen, wie sie sich allmählich verbesserten, war fantastisch. Sie reden heute noch darüber, wenn ich sie sehe. Es war ein perfekter Bluebird-Tag, wir hatten ungefähr 30 cm Neuschnee und die Vibes waren gut. 

10. Die tollste Erfahrung, die du bei element3 gemacht hast?

Wahrscheinlich eine der Skilehrer Trainingseinheiten. Wir haben bei unglaublichen Verhältnissen Tiefschneefahren geübt. Wir sind mit der ersten Gondel hoch und sind bis die Lifte zugemacht haben durchgefahren – auch zwischendurch haben wir kaum Pausen gemacht. Wir haben uns in der Gruppe gegenseitig gepusht. Einige, die bei dieser Trainingseinheit dabei waren, haben seither weitere Skilehrerausbildungen mit Bravour gemeistert. Manchmal schaue ich auf diesen Tag zurück und denke mir, wie wichtig es ist, im Jetzt zu leben (sorry, ich wollte eigentlich nicht so kitschig klingen).

11. Du leitest die e3 Ski Academy. Was ist die e3 Ski Academy und was macht ihr?

Die e3 Ski Academy bietet Trainingskurse für Skilehrer. Wir helfen Leuten dabei, von Hobby-Skifahrern zu qualifizierten Skilehrern zu werden. Zudem garantieren wir unseren Absolventen einen Job, so dass sie ihre Qualifizierung auch gleich nutzen können. 

Im Prinzip ist die e3 Ski Academy der Weg zum Skilehrer-Dasein. Die meisten unserer Teilnehmer sind junge Leute, die ihr Gap-year machen und eine Saison als Skilehrer arbeiten wollen. Unsere Kurse finden im Oktober und November statt, so dass die Leute im Dezember ready für die Wintersaison sind. 

12. Warum sollten Leute Skilehrer werden wollen? 

Erstens macht es einfach Spaß! Als Skilehrer zu arbeiten ist wirklich belohnend, du kannst Menschen dabei helfen, ihre Ziele zu erreichen und einen tollen Ski-Urlaub zu verbringen. Außerdem kannst du eine andere Kultur, eine neue Sprache und neue Freunde kennenlernen und wirst auch noch für’s Skifahren bezahlt. Am Ende der Saison hast du unglaubliche Erinnerungen gesammelt und viele neue Fähigkeiten, die du auf deinen Lebenslauf packen kannst. 

13. Was ist das Beste am Skilehrer-Dasein?

Ich glaube, das ist für jeden anders. Für mich ist das Schönste Menschen zu helfen und die Arbeit zu verlassen, in der Gewissheit, dass sich deine Gäste für immer an den Tag erinnern werden. Das ist echt cool. 

14. Was sind die wichtigsten Eigenschaften eines guten Skilehrers? 

Sie sollen witzig, freundlich und leidenschaftlich im Umgang mit Menschen sein. Der beste Skifahrer der Welt zu sein, macht dich nicht automatisch zu einem guten Skilehrer. Einfühlungsvermögen, Motivation und ein Sinn für Humor sind viel wichtiger. 

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